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Meine nächste wichtigste Rolle: Mutter werden

Es gibt Momente im Leben, die alles verändern. Für mich ist es dieser: Mutter zu werden.

Ich durfte erfahren, wie es ist, Leben in mir zu tragen. Dieses stille Wunder. Diese Tiefe. Diese Verbindung. Und gleichzeitig durfte ich eine andere Realität kennenlernen – die Realität unserer Arbeitswelt.


Mein Wunsch war klar: ein halbes Jahr Mutterschaft, danach ein Wiedereinstieg mit 40 %. Ein Weg, der für mich als Frau, als werdende Mutter und als Arbeitnehmerin stimmig war.


Doch statt eines Dialogs folgte… Stille.


Zwei Monate lang wartete ich darauf, abgeholt zu werden. Währenddessen wurden bereits Vorstellungsgespräche für meine Stelle geführt. Ohne mich. Ohne Transparenz. Ohne Gespräch.


Als dann endlich Klarheit kam, war sie nüchtern: Es sei nicht möglich, mir nach der Mutterschaft eine Stelle anzubieten.

Ich war überrascht. Und tief enttäuscht.

Doch je mehr ich hinschaue, desto klarer wird mir: Ich bin kein Einzelfall.


Jede 10. Frau in der Schweiz erlebt nach der Mutterschaft Diskriminierung. Schwangerschaft und Mutterschaft gehören zu den häufigsten Gründen für arbeitsrechtliche Diskriminierungsfälle. Viele Frauen verlieren nach ihrer Rückkehr Verantwortung, Entwicklungsmöglichkeiten – oder ihren Job.


Und das, obwohl es gesetzlich verboten ist. Das Gleichstellungsgesetz schützt uns. Auf dem Papier. Doch die Realität sieht anders aus.


Diskriminierung passiert selten laut. Sie passiert leise.

In Form von:

– „Das Pensum ist leider nicht möglich“

– „Die Rolle hat sich verändert“

– „Wir haben uns anders entschieden“


Was bleibt, ist ein Gefühl :Dass Leben tragen in dieser Welt nicht als Stärke gesehen wird – sondern als Risiko.


Wir leben in einer Zeit, in der Menschen Kinder „planen“, organisieren, teilweise sogar kaufen können. Und gleichzeitig wird eine Frau, die ihr eigenes Kind in sich trägt, im Arbeitskontext zur Unsicherheit.


Ich frage mich: Wo ist die Menschlichkeit geblieben?


Wann haben wir begonnen, den Wert eines Menschen nur noch daran zu messen, wie konstant und verfügbar er funktioniert?


Rund 60 % der Frauen in der Schweiz arbeiten Teilzeit – oft wegen Familie. Und genau das wird ihnen später zum Nachteil gemacht.


Ein System, das Mütter braucht – aber sie gleichzeitig bestraft.


Und vielleicht das Paradoxeste daran: Diese Systeme werden von Menschen getragen, die selbst einmal von einer Frau geboren wurden.


Ich schreibe das nicht aus Bitterkeit.


Ich schreibe es, weil ich hinschaue.


Weil ich fühle, dass sich etwas verändern muss.


Meine nächste wichtigste Rolle ist klar: Ich werde Mutter.

Und vielleicht gehört zu dieser Rolle auch, eine Stimme zu sein .Für all die Frauen, die Ähnliches erleben. Für mehr Menschlichkeit.



Für eine Arbeitswelt, die nicht gegen das Leben arbeitet – sondern mit ihm.


Ich freue mich auf einen neuen und menschlicheren Abschnitt in meinem Leben.

 
 
 

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